Wiederkehrende Ohrenentzündungen bei Hängeohr-Hunden nach dem
Wiederkehrende Ohrenentzündungen nach dem Schwimmen kennt fast jeder Besitzer eines Cocker Spaniels, Labradors, Basset Hounds oder Beagles. Kaum ist der Hund aus dem See oder von der Hundewiese am Fluss zurück, fängt er an, mit dem Kopf zu schütteln. Zwei Tage später riecht das Ohr schon wieder streng. Der Grund liegt in der Anatomie: eingeschlossene Feuchtigkeit, miese Belüftung und wiederholter Wasserkontakt sorgen für ein Klima, in dem sich Bakterien und Pilze geradezu wohlfühlen. Warum das so ist, woran man die Ursache erkennt und wie man den Teufelskreis endlich stoppt, dazu mehr im Folgenden.
Warum Hängeohren besonders gefährdet sind
Bei Hunden mit hängenden Ohren zirkuliert die Luft im Gehörgang schlicht schlechter, das ist rein anatomisch bedingt. Stehohren lassen Feuchtigkeit binnen Minuten verdunsten, bei Hängeohren dagegen funktioniert die Ohrklappe wie ein Deckel auf dem Kochtopf: Wärme und Nässe bleiben drin. Nach dem Schwimmen entsteht so ein warmes, feuchtes, lichtgeschütztes Milieu, geradezu eine Einladung für:
- Bakterien wie Staphylokokken oder Pseudomonas
- Hefepilze (Malassezia), die sich auf feuchter Haut rasend schnell vermehren
- Ohrenschmalz-Ansammlungen, die zusätzlich wie ein Schwamm Feuchtigkeit binden
Typische Anzeichen einer Ohrenentzündung
Nach dem Baden oder Schwimmen lohnt sich ein kurzer Check. Folgende Symptome sollten aufhorchen lassen:
- Kopfschütteln oder Kratzen am Ohr
- Unangenehmer, muffiger oder hefeartiger Geruch (manche beschreiben ihn als “wie alter Käse”)
- Rötung oder Schwellung im sichtbaren Gehörgang
- Dunkler, wachsartiger oder eitriger Ausfluss
- Schiefhaltung des Kopfes
- Schmerzempfindlichkeit beim Berühren der Ohren
Treten diese Anzeichen immer wieder nach dem Schwimmen auf, ist das selten Pech. Meistens steckt ein strukturelles Pflegeproblem dahinter, kein Einzelfall.
Die häufigsten Fehler bei der Ohrenpflege
- Ohren werden nach dem Schwimmen nicht getrocknet. Das Wasser steht dann stundenlang im Gehörgang, manchmal bis zum nächsten Morgen.
- Wattestäbchen werden verwendet. Sie schieben Schmutz und Feuchtigkeit tiefer hinein, statt sie herauszuholen, das Gegenteil von dem, was man eigentlich will.
- Falsches Reinigungsmittel. Aggressive Produkte reizen die ohnehin empfindliche Haut zusätzlich, oft verschlimmert das die Lage erst.
- Zu seltene Kontrolle. Bei einem Hund, der drei- bis viermal pro Woche ins Wasser geht, reicht ein wöchentlicher Blick ins Ohr nicht.
- Unbehandelte Grunderkrankungen. Allergien oder Hauterkrankungen begünstigen chronische Infektionen, selbst bei vorbildlicher Pflege.
So löst du das Problem Schritt für Schritt
1. Sofort nach dem Schwimmen trocknen
Mit einem weichen, saugfähigen Tuch Ohrmuschel und äußeren Gehörgang abtrocknen, am besten direkt nach dem Abtrocknen des restlichen Fells. Die Ohrklappe dabei vorsichtig anheben, damit Luft an die feuchten Stellen kommt.
2. Trocknungslösung verwenden
Ein tierärztlich empfohlenes Ohrreinigungsmittel mit trocknender Wirkung, oft auf Basis von Isopropylalkohol oder Essigsäure, direkt nach dem Schwimmen anwenden. Es verdrängt Restfeuchtigkeit und bringt den pH-Wert im Gehörgang wieder ins Lot.
3. Fell um die Ohren kurz halten
Bei langhaarigen Rassen macht ein regelmäßiger Trimm rund um den Gehörgangseingang spürbar Unterschied, die Feuchtigkeitsfalle wird dadurch deutlich kleiner.
4. Regelmäßige Inspektion etablieren
Mindestens zweimal pro Woche die Ohren kontrollieren, bei Hunden, die oft schwimmen, nach jedem Ausflug. Geruch, Farbe und Konsistenz des Ohrenschmalzes verraten oft mehr als man denkt, schon kleine Veränderungen sind ein Warnsignal.
5. Grunderkrankungen abklären lassen
Kehrt die Infektion trotz vorbildlicher Pflege immer wieder zurück, steckt häufig mehr dahinter: Futtermittelallergien, Umweltallergien oder hormonelle Probleme. Ein Abstrich beim Tierarzt (Zytologie) zeigt, ob Bakterien, Hefepilze oder beides im Spiel sind, eine Information, ohne die keine gezielte Behandlung möglich ist.
Wann du zum Tierarzt solltest
Zeitnah tierärztlichen Rat einholen, wenn:
- die Entzündung trotz konsequenter Pflege immer wieder auftaucht
- der Ausfluss stark riecht oder eitrig aussieht
- dein Hund sichtlich Schmerzen hat, etwa beim Fressen den Kopf schräg hält
- sich der Gehörgang verengt oder verdickt anfühlt, ein typisches Zeichen für chronische Entzündung
Unbehandelte, chronische Otitis kann den Gehörgang dauerhaft verändern und im schlimmsten Fall zu Hörverlust führen. Das muss nicht sein.
Fazit
Wiederkehrende Ohrenentzündungen bei Hängeohr-Hunden nach dem Schwimmen sind kein Zufall. Sie sind die Folge von eingeschlossener Feuchtigkeit und einer Pflege, die an genau der entscheidenden Stelle lückenhaft bleibt. Konsequentes Trocknen, die passende Reinigungsroutine und regelmäßige Kontrollen bringen in den meisten Fällen schon spürbare Besserung. Bleiben die Infektionen trotzdem hartnäckig, lohnt sich eine tierärztliche Abklärung möglicher Grunderkrankungen. Das erspart dem Hund unnötiges Leiden und einem selbst den immer gleichen Stress nach jedem Schwimmausflug.